CALIBAN - I AM NEMESIS
Eintragen am: 25.01.2012
Die Keyboard-Parts auf Calibans neuer Scheibe "I Am Nemesis" wurden von Marcel Neumann "von den Deathcore-Zerstörern We Butter The Bread With Butter" eingespielt, heißt es im Pressetext und der PA-Redakteur reißt erschrocken die Augen auf. Irgendwie selbstgefällig nickt er dann aber wieder fast unmerklich und faselt irgendetwas vor sich hin von wegen "jaja, hab' ich ja gesagt", "Kommerzdreck" und "Rammstein-Cover, hä?". Denn um ehrlich zu sein: Wirkliche Hoffnung hatte ich für die Metalcore-Recken aus dem Pott nicht mehr gehabt, wobei man mittlerweile ja auch nicht mehr Metalcore sagt, sondern Modern Metal - Metalcore ist schließlich elender Kommerz, also bitte. Mit den zwiespältigen Eindrücken der kürzlich erschienenen "Coverfield" EP lege ich "I Am Nemesis" ein - sollte ich etwa eines Besseren belehrt werden?
"We are the many" startet mit einem gesprochen "You gotta be fucking kiddin' me" und kurz darauf dem typischen Moshgroove, den man gerade bei unzähligen Vertretern dieses Genres hört, entfaltet dann aber recht schnell interessantere Komponenten, die gerade im Chorus mitsamt Crewvocals und den lang gezogenen Gitarrenleads richtig gut reingehen. Einzig und allein dieses anfängliche Sample hätte gerne eine einmalige Sache bleiben können, weil ich es eigentlich schon da ziemlich unpassend fand. Neben dem eingangs erwähnten Feature der Deathcore-Zerstörer (ich möchte wissen, ob in dieser Formulierung diese Ironie drinsteckt, mit der ich selbige verstehe) sind auch einige namhafte Interpreten auf "I Am Nemesis" mit am Start: So geben sich Marcus Bischoff (Heaven Shall Burn), As Blood Runs Black und Mitch Lucker (Suicide Silence) die Ehre und wenn ich mich nicht irre, sollte zumindest Kollege Bischoff im Opener schon zu hören gewesen sein. "The Bogeyman" ist dann ein typischer Caliban-Song, mit dem charakteristischen Organ von Andy Doerner und auch sonst mit einer Schubkarre voller abgedämpfter Leersaiten im Gepäck. Gerade der Breakdown im Mittelteil kann Einiges und wir dann nur unschön beendet von diesen unsäglichen WBTBWB-Dorffest-Sounds.
Es folgt darauf das atmosphärische "Memorial", was es schon als Video zu sehen gab, bei dem recht schnell klar wird, dass Caliban an der Präsentation des Cleangesangs deutlich gearbeitet haben. Dieser ist jetzt kein Pflichtprogramm mehr, mit dem man jedem Song versucht, mit dem Vorschlaghammer die Variabilität einzuprügeln, sondern tatsächlich mal songdienliches Stilmittel. Als dann gesprochene Crewvocals folgen und man "Memorial" bereits zu Ende gehen sieht, bekommt man abschließend noch einmal einen Breakdown über den Schädel gezogen - solche Überraschungsmomente habe ich bei Caliban schon seit langem vermissen müssen. Es folgen daraufhin zwei Uptempo-Nummern die - es mag plakativ klingen, entspricht aber tatsächlich meiner Empfindung - wieder mehr an alte Caliban-Platten erinnern. Sicherlich wird man keine "Vent" oder "A Small Boy And A Grey Heaven" mehr erleben, was aber auch nicht der Sinn sein kann. Gerade "No tomorrow" ist ein fantastischer Song und kann sich mit vergangenen Taten der Ruhrpottler mehr als messen.
Textlich ließen Caliban ja bisher recht wenig anbrennen und das ist auch auf "I Am Nemesis" nicht anders: Band-typisch stehen wieder einmal die Schattenseiten des menschlichen Daseins im Zentrum der Aufmerksamkeit, es werden die Ausbeutung der Erde oder die gesellschaftliche Verdummung durch die Massenmedien thematisiert (Akte "Wulff und Bild" lässt grüßen). Zudem dreht es sich um Faschismus ("Dein R3.ich") und im Track "Modern Warfare" um das Internet als neue Kriegsplattform.
Gerade die beiden Songs reißen in der zweiten Hälfte von "I Am Nemesis" noch mal mit dank eines stark angezogenen Härtegrad. Der Moshpart im Mittelteil von "Dein R3.ich" erinnert fast schon an Meshuggah, während "Modern Warfare" einige wirklich ansehnliche Riffs in Petto hat. Ansonsten geht der Langrille aber gegen Ende hin zunehmend die Luft aus.
Alles in allem muss ich jedoch feststellen, dass man mit der Meinungsbildung oftmals doch zu vorschnell agiert, wobei das nach einer "Coverfield" EP auch irgendwo verziehen sein muss. Mit "I Am Nemesis" haben sich Caliban meiner Meinung nach aber heftigst zurückgemeldet und bringen ein Album an den Start, dass tatsächlich mal das erfüllt, was die Labels von jeder neuen Platte jeder Band behaupten: die Roots mit neuen Elementen zu verbinden. Das gelingt Caliban hier und so sollte jeder zumindest ein Ohr riskieren.

"We are the many" startet mit einem gesprochen "You gotta be fucking kiddin' me" und kurz darauf dem typischen Moshgroove, den man gerade bei unzähligen Vertretern dieses Genres hört, entfaltet dann aber recht schnell interessantere Komponenten, die gerade im Chorus mitsamt Crewvocals und den lang gezogenen Gitarrenleads richtig gut reingehen. Einzig und allein dieses anfängliche Sample hätte gerne eine einmalige Sache bleiben können, weil ich es eigentlich schon da ziemlich unpassend fand. Neben dem eingangs erwähnten Feature der Deathcore-Zerstörer (ich möchte wissen, ob in dieser Formulierung diese Ironie drinsteckt, mit der ich selbige verstehe) sind auch einige namhafte Interpreten auf "I Am Nemesis" mit am Start: So geben sich Marcus Bischoff (Heaven Shall Burn), As Blood Runs Black und Mitch Lucker (Suicide Silence) die Ehre und wenn ich mich nicht irre, sollte zumindest Kollege Bischoff im Opener schon zu hören gewesen sein. "The Bogeyman" ist dann ein typischer Caliban-Song, mit dem charakteristischen Organ von Andy Doerner und auch sonst mit einer Schubkarre voller abgedämpfter Leersaiten im Gepäck. Gerade der Breakdown im Mittelteil kann Einiges und wir dann nur unschön beendet von diesen unsäglichen WBTBWB-Dorffest-Sounds.
Es folgt darauf das atmosphärische "Memorial", was es schon als Video zu sehen gab, bei dem recht schnell klar wird, dass Caliban an der Präsentation des Cleangesangs deutlich gearbeitet haben. Dieser ist jetzt kein Pflichtprogramm mehr, mit dem man jedem Song versucht, mit dem Vorschlaghammer die Variabilität einzuprügeln, sondern tatsächlich mal songdienliches Stilmittel. Als dann gesprochene Crewvocals folgen und man "Memorial" bereits zu Ende gehen sieht, bekommt man abschließend noch einmal einen Breakdown über den Schädel gezogen - solche Überraschungsmomente habe ich bei Caliban schon seit langem vermissen müssen. Es folgen daraufhin zwei Uptempo-Nummern die - es mag plakativ klingen, entspricht aber tatsächlich meiner Empfindung - wieder mehr an alte Caliban-Platten erinnern. Sicherlich wird man keine "Vent" oder "A Small Boy And A Grey Heaven" mehr erleben, was aber auch nicht der Sinn sein kann. Gerade "No tomorrow" ist ein fantastischer Song und kann sich mit vergangenen Taten der Ruhrpottler mehr als messen.
Textlich ließen Caliban ja bisher recht wenig anbrennen und das ist auch auf "I Am Nemesis" nicht anders: Band-typisch stehen wieder einmal die Schattenseiten des menschlichen Daseins im Zentrum der Aufmerksamkeit, es werden die Ausbeutung der Erde oder die gesellschaftliche Verdummung durch die Massenmedien thematisiert (Akte "Wulff und Bild" lässt grüßen). Zudem dreht es sich um Faschismus ("Dein R3.ich") und im Track "Modern Warfare" um das Internet als neue Kriegsplattform.
Gerade die beiden Songs reißen in der zweiten Hälfte von "I Am Nemesis" noch mal mit dank eines stark angezogenen Härtegrad. Der Moshpart im Mittelteil von "Dein R3.ich" erinnert fast schon an Meshuggah, während "Modern Warfare" einige wirklich ansehnliche Riffs in Petto hat. Ansonsten geht der Langrille aber gegen Ende hin zunehmend die Luft aus.
Alles in allem muss ich jedoch feststellen, dass man mit der Meinungsbildung oftmals doch zu vorschnell agiert, wobei das nach einer "Coverfield" EP auch irgendwo verziehen sein muss. Mit "I Am Nemesis" haben sich Caliban meiner Meinung nach aber heftigst zurückgemeldet und bringen ein Album an den Start, dass tatsächlich mal das erfüllt, was die Labels von jeder neuen Platte jeder Band behaupten: die Roots mit neuen Elementen zu verbinden. Das gelingt Caliban hier und so sollte jeder zumindest ein Ohr riskieren.
Pro
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Kontra
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